Klimagerechtigkeit beginnt vor unserer Haustür

Ein heißer Nachmittag auf dem Spielplatz und kein Schatten. Die Gasrechnung macht Sorgen, während die nächste Kältewelle angekündigt ist, weil der Unterhalt nicht gezahlt wurde. Von dem Weg zur Arbeit noch schnell bei der eigenen, pflegebedürftigen Mutter vorbei und der Bus fällt schneebedingt aus.
Viele dieser Situationen kennen Menschen im Kreis Pinneberg – und zeigen: Oft stehen sie mehr mit den Auswirkungen des Klimawandels in Zusammenhang, als auf den ersten Blick sichtbar ist.

Denn der Klimawandel ist nicht nur eine Frage von Temperaturen, Starkregen oder CO₂-Zielen. Er berührt unseren Alltag hier vor Ort – und er trifft Menschen unterschiedlich. Personen, die Care-Arbeit übernehmen, wenig Geld haben, allein erziehen oder auf funktionierende Nahmobilität angewiesen sind, spüren die Folgen oft anders.

Zwar liegt der Fachtag „GENDER & KLIMA“, organisiert von der LAG der hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in SH, etwas zurück. Aufgrund der Wichtigkeit möchten wir dennoch hierüber auch hier kurz berichten. Denn er beleuchtete, wie Geschlechtergerechtigkeit und Klimapolitik zusammenhängen und was auf kommunaler Ebene beachtet werden kann.

Der Klimawandel ist nicht neutral

Gleichstellungs- und Klimapolitik werden in der öffentlichen Debatte oft getrennt gedacht. Dabei zeigen zahlreiche Studien: Die Klimakrise ist nicht geschlechtsneutral. Genau das hat der Vortrag von Ulrike Röhr, Mitglied der Sachverständigenkommission für den 4. Gleichstellungsbericht, zu Beginn für alle Teilnehmer*innen erläutert.

Seit 2011 legt die Bundesregierung dem Bundestag und dem Bundesrat in jeder Legislaturperiode einen Bericht zur Gleichstellung der Geschlechter vor. Die Gleichstellungsberichte analysieren den Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland, identifizieren Handlungsbedarfe und formulieren konkrete Handlungsempfehlungen (mehr dazu hier: Gleichstellungsberichte – Bundesstiftung Gleichstellung). Der vierte Gleichstellungsbericht wurde 2025 veröffentlicht und befasst sich mit der Gleichstellung in der sozial-ökologischen Transformation.

Der Klimawandel zeigt überall seine Folgen. Frauen* sind global gesehen stärker bzw. anders von diesen betroffen als Männer – sei es durch eingeschränkte Ressourcenverfügbarkeit, ungleiche Machtverhältnisse oder die wachsende Belastung unbezahlter Sorgearbeit in Krisenzeiten (einen weiteren Lotsinnen-Beitrag dazu findest du hier: Gleichstellung und Nachhaltigkeit – Lotsinnen*). Auch bei uns vor Ort zeigen sich z.B. eine höhere Wahrscheinlichkeit von Frühgeburten oder sexualisierter Gewalt nach Hitzewellen. Auch von Energiearmut sind alte Frauen oder Alleinerziehende häufiger betroffen, so berichtete die Referentin.

Gleichzeitig sind Frauen seltener in Entscheidungspositionen vertreten, wenn es um Klimapolitik geht. Damit niemand abgehängt wird, sollten geschlechterspezifische Perspektiven in die lokale Klimapolitik von Verwaltung, politischen Gremien sowie gesellschaftlichen Akteur*innen eingebracht werden.

Und was heißt das konkret?

Während Frau Röhr in ihrem Vortrag auf einige Ideen eingegangen ist, wurden in den nachfolgenden Workshops nochmal genauere themenspezifische Ideen für die Kommunen erarbeitet:

  1. Gendersensibler Katastrophenschutz als Aspekt der Klimafolgenanpassung: Lena Siemann beleuchtete, wie Notfallpläne und Katastrophenschutz die spezifischen Bedürfnisse von Frauen berücksichtigen können, etwa bei der Bereitstellung sicherer Unterkünfte, der Einplanung der Care-Arbeit der Rettungskräfte und zielgruppenspezifischer Krisenkommunikation.
  2. Schnittstellen nutzen: Klimaschutz und Gleichstellung im ländlichen Raum: Dr. Kerrin Trimpler diskutierte, welche Synergien im ländlichen Raum entstehen könnten und in welchen Formen Klimaschutzmanager*innen und Gleichstellungsbeauftragte zusammenarbeiten könnten.
  3. Vom Papier in die Praxis – Wie der Gleichstellungsbericht in der Kommune wirken kann: Tinka Frahm hat zusammen mit den Teilnehmer*innen konkrete Beispiele für die verschiedenen Themen des Gleichstellungsberichts erarbeitet. Ein mitgebrachtes Beispiel ihrerseits war z.B. die essbare Stadt aus Schwerin oder der Frauenkleidermarkt aus Rellingen. Ideen aus den Arbeitsgruppen waren z.B. Kleidermärkte für Männer, Repair-Cafes auch für Kleidung, das Projekt Radeln ohne Alter (z.B. aus Kiel) uvw.

Eins war nach dem Fachtag klar: Das alles schaffen wir nur gemeinsam! Daher werden auch wir im Kreis Pinneberg die Zusammenarbeit zwischen Gleichstellung & Klimaschutz intensivieren und die vielen Ideen mit in unsere Kommunen reintragen.

Du willst noch mehr über das Thema erfahren? Dann schaue dir unbedingt den 4. Gleichstellungsbericht an. Diesen findest du unter: Vierter Gleichstellungsbericht – BMBFSFJ

Ein Beitrag von Eline Joosten, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Uetersen