Wie aus einer Idee aus Wedel ein landesweites Projekt wurde

Als Gleichstellungsbeauftragte begegnen uns immer wieder Impulse aus den Kommunen, die sich im Kleinen oft nicht umsetzen lassen – sei es aus Kostengründen oder weil die rechtlichen Kompetenzen fehlen. Um solche Ideen auf eine größere Ebene zu bringen, sind wir gut auf Landes- und Bundesebene vernetzt. Eine solche Idee möchten wir heute vorstellen – in unserem Interview mit Magdalena Drexel, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wedel.

Magdalena, wie kam es zu der Idee der Broschüre „Lesewelten ohne Grenzen“?

Ich habe die Broschüre ursprünglich entdeckt, weil meine Praktikantin sie aus der Schweiz mitgebracht hat. Das Thema ist mir schon lange wichtig und in diesem Moment wusste ich: So eine Broschüre brauchen wir auch! Sie bietet eine Übersicht von Kinder- und Jugendbüchern, die bewusst ohne Klischees auskommen. Besonders wichtig ist, dass die Buchauswahl von einer Fachfrau aus dem Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien getroffen wird. Sie sorgt außerdem dafür, dass die Broschüre stets aktuell bleibt – etwa die Hälfte der Empfehlungen wird jedes Jahr erneuert.

Wie ist es zur landesweiten Umsetzung gekommen?

Ich habe dieses Projekt unserer Landesarbeitsgemeinschaft vorgeschlagen und fand damit Anklang. Möglich wurde die Veröffentlichung nur deshalb, weil sich viele Gleichstellungsbeauftragte aus unterschiedlichen Kommunen finanziell beteiligt haben.

Die Herausgabe auf Landesebene hatte einen tollen Effekt: Wir konnten die Bibliotheken SH – den Dachverband aller Bibliotheken in Schleswig-Holstein – als Partner gewinnen. Sie haben eigene Buchempfehlungen beigesteuert und alle 154 öffentliche Bibliotheken sowie Fahrbibliotheken im Land mit den Broschüren ausgestattet. So wurden mehr als 5000 Broschüren verteilt, weitere 5000 Exemplare gingen an die Gleichstellungsbeauftragten, um sie vor Ort einzusetzen.

Warum lohnt sich ein Blick in die Broschüre?

Die Broschüre bietet eine gut strukturierte, aktuelle Übersicht von Büchern, die ohne stereotype Rollenbilder auskommen. Sie unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, ihre eigenen Interessen zu entdecken, unabhängig davon, welche Vorstellungen von „typischen“ Mädchen- oder Jungenrollen existieren. Gleichzeitig erleichtert sie Eltern, Pädagog*innen und Bibliothekar*innen die Auswahl geeigneter Bücher, um bewusst Vielfalt in Bezug auf Geschlechterrollen zu fördern.

Du willst dir die Broschüre anschauen? Kein Problem! Du findest sie unter folgendem Link: https://www.gleichstellung-sh.de/#aktuelles

Und wie geht es jetzt weiter?

Die Gleichstellungsbeauftragten können vor Ort mit ihren Bibliotheken zusammenarbeiten, die Broschüren an Kitas, Schulen, Jugendzentren oder andere Orte verteilen, an denen Eltern erreicht werden. Wir sind sehr gespannt auf die Projekte und Initiativen, die in den einzelnen Kommunen entstehen werden. Zusätzlich ist die Broschüre kostenlos online verfügbar.

Es ist schön zu sehen, dass sich das Engagement lohnt. Herzlichen Dank für das Interview!

Ein Beitrag von Eline Joosten, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Uetersen