30 Jahre Frauengeschichtswerkstatt Elmshorn

Drei Jahrzehnte engagierte Forschungsarbeit, zahlreiche Ausstellungen, bewegende Lebensgeschichten und ein nachhaltiger Beitrag zur regionalen Erinnerungskultur: Die Frauengeschichtswerkstatt Elmshorn feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Seit 1996 macht die Initiative die Lebensrealitäten von Frauen in Elmshorn sichtbar – und schreibt damit ein wichtiges Kapitel der lokalen Geschichte.

Pionierinnenarbeit: Erste Frauengeschichtswerkstatt in SH

Die Wurzeln der Elmshorner Frauengeschichtswerkstatt reichen in die 1990er Jahre zurück. Aus einer szenischen Matinee zum Internationalen Frauentag 1996 entstand die Idee, die Geschichte von Frauen in Elmshorn systematisch zu erforschen – ein bis dahin blinder Fleck der lokalen Geschichtsschreibung. Die FGW war die erste Frauengeschichtswerkstatt in Schleswig-Holstein und ist bis heute geprägt von Kontinuität, ehrenamtlichem Engagement und enger Zusammenarbeit mit dem Industriemuseum.

In der Tradition der Neuen Frauenbewegung folgt die Frauengeschichtswerkstatt Elmshorn dem Konzept „Geschichte von unten“. Sie macht Lebensrealitäten sichtbar, die in der klassischen Geschichtsschreibung lange übersehen wurden – von Industriearbeiterinnen über Migrantinnen bis hin zu Frauen in unbezahlter Sorgearbeit.

Forschung mit persönlicher Perspektive

Einmal im Monat trifft sich die Arbeitsgruppe im Industriemuseum, um Lebensläufe zu erforschen, Interviews zu führen, Objekte zu sammeln und historische Zusammenhänge zu analysieren. Dabei setzt die Frauengeschichtswerkstatt Elmshorn bewusst auf subjektive, autobiografische Erzählungen – wissend, dass Erinnerung immer auch Deutung ist. Gerade diese Perspektive verleiht der Arbeit ihre besondere Tiefe.

Für viele Teilnehmerinnen ist die Geschichtsforschung zugleich eine persönliche Reise: die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte, die Konfrontation mit bislang verborgenen Kapiteln oder die Erfahrung, aus Interviews und Forschungstätigkeit eigenständige Veröffentlichungen zu entwickeln.

Nachhaltige Spuren in Museum und Stadt

Die Frauengeschichtswerkstatt hat die Darstellung von Arbeits- und Lebensbedingungen von Frauen dauerhaft im Museumskonzept verankert. Themen wie weibliche Erwerbsarbeit, unbezahlte Reproduktionsarbeit und die Doppelbelastung von Frauen sind heute selbstverständlich Teil der Dauerausstellung.

Darüber hinaus entstand ein umfangreiches Frauenarchiv mit Interviews, Fotografien, Dokumenten und Objekten – ein wertvoller Bestandteil der Sammlung des Industriemuseums. Mehr als 25 Ausstellungen, Publikationen wie „Frauenleben in Elmshorn“, der Film „Weiße Flecken werden bunt“ sowie der Ausstellungskatalog „Objekte erzählen Elmshorner Frauengeschichten“ dokumentieren die Vielfalt der Arbeit.

Seit 2001 bereichern Frauenstadtrundgänge und thematische Führungen zur Frauenarbeit das Angebot des Museums. Fachtagungen, Filmprojekte und innovative Aktionen wie Urban-Gardening-Projekte zeigen: Die Frauengeschichtswerkstatt Elmshorn ist nicht nur forschend tätig, sondern aktiv gestaltend.

Blick nach vorn: Die Geschichte geht weiter

Nach 30 Jahren ziehen die Frauen eine Zwischenbilanz – und richten den Blick zugleich in die Zukunft. Neue Mitglieder sind hinzugekommen, das aktuelle Filmprojekt „Bewegtes Frauenleben“ ist gestartet, weitere Aktionen sind in Planung. Die Geschichte der Frauen in Elmshorn ist noch lange nicht auserzählt.

Die Frauengeschichtswerkstatt lädt alle Interessierten herzlich ein, dieses besondere Jubiläum am 8. März im Industriemuseum mitzufeiern. Mehr Informationen dazu hier: https://www.elmshorn.de/Kulturportal/Kulturkalender/30-j%C3%A4hrihes-Jubil%C3%A4um-der-Frauengeschichtswerkstatt-im-Industriemuseum-Elmshorn.php?

Ein Beitrag der Frauengeschichtswerkstatt Elmshorn